Geschichte

Die Anfänge des Deutsch-Französischen Kulturinstituts Aachen reichen zurück bis ins Jahr 1950.

Gerade einmal fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es unter Beteiligung der Vegla GmbH, einer Tochter des französischen Konzerns Saint-Gobain, zur Schaffung eines Centre français in Aachen, was auf der französischen Seite mit Interesse und Wohlwollen verfolgt wurde. 

So entschloss sich die französische Regierung im folgenden Jahr, diese Institution in ihre Verantwortlichkeit zu übernehmen; die neue Bezeichnung lautete Centre d’Etudes françaises. Die offizielle Eröffnungsfeierfand statt am 5. Juni 1951, in der Eupener Straße 4-6. Die Ansprache des ersten Direktors, François Xavier Hellmann, gibt eindrucksvoll dem Willen Ausdruck, die durch den Krieg zwischen Franzosen und Deutschen aufgerissenen Gräben zu schließen und wieder zu gegenseitigem Verständnis und zur Freundschaft zu finden. 

Im Oktober 1952 zog das Centre in eine Etagenwohnung am Theaterplatz 11, wo es bis 1991 bleiben sollte. Im Jahr 1954 wurde das Kulturinstitut Teil des Netzwerks der staatlichen französischen Auslandsinstitute und trug von da an die Bezeichnung Institut français.Als Leiter folgen auf F.X. Hellmann die Herren Louis Jarrige (1974-1976), Yves Barbier (1976-1985) und Jacques Robnard (1985-1991).

1991 erfolgte der Umzug in das Haus Matthéy auf der Theaterstraße 67. Das repräsentative Stadthaus von 1834 mit denkmalgeschützter Fassade, geschlossenem Innenhof und Garten bot dem Institut français auf 365 qm und einem Vortragssaal, in dem bis zu 80 Personen Platz fanden, einen geradezu idealen Rahmen für die Kulturarbeit zur Förderung der deutsch-französischen Freundschaft. Zum neuen Leiter wurde Dr. Bernard Bonnery ernannt.

In den 1990er Jahren organisierte der französische Staat das Netzwerk seiner Kulturinstitute neu. Die Gründung von Instituts français in den neuen Bundesländern führte zu einer Reduktion in den alten. Dort blieben lediglich zwölf direkt von Frankreich betreute Instituteerhalten; in Nordrhein-Westfalen waren dies Düsseldorf und Köln. Auch dem Aachener Institut drohte die Schließung zum 31.12.1998. 

Die Stadt Aachen, die RWTH Aachen, die FH Aachen, die IHK Aachen und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens und andere mehr suchten gemeinsam nach Wegen, um das Überleben des Instituts, das längst zu einem festen Bestandteil des Aachener Kulturlebens geworden war, zu sichern.

Als Träger des Kulturinstituts wurde schließlich ein Verein gegründet. Die neue Institutsbezeichnung lautete Deutsch-Französisches Kulturinstitut in der Euregio Maas-Rhein. Die Gründungsversammlung des Vereins fand am 18.12.1998 im Aachener Rathaus statt. Erster Geschäftsführer des neuen Kulturinstituts wurde Dr. Michael Jansen. 

Im Jahr 2005 übernahm Dr. Angelika Ivens die Leitung der inzwischen in Deutsch-Französisches Kulturinstitut Aachen umbenannten Institution, das sich zu diesem Zeitpunkt in einer schwierigen finanziellen Lage befand. Sie setzte die Arbeit ihrer Vorgänger mit dem Blick auf Diversifizierung und Erweiterung des Angebots, insbesondere im Kurs- und Prüfungsbereich fort.

Im Jahre 2018 begann wieder ein neues Kapitel in der Institutsgeschichte: Das Haus Matthéy ging in Privatbesitz über. Dies führte zu einer schwierigen Suche nach einem neuen Domizil. Im April 2020 kann schließlich das Erdgeschoss eines Bürogebäudes in der Lothringer Straße 62 angemietet werden. Wenn auch auf einer geringeren Gesamtfläche von 168 qm bieten die neuen Institutsräume mit ihrem großen Empfangsbereich, der auch eine Mediathek umfasst, vier modern ausgestatteten Unterrichtsräumen, einem kleinen Veranstaltungsraum sowie einem für Veranstaltungen nutzbaren schönen naturnahen Stadtgarten einen sehr ansprechenden und einladenden Rahmen für die deutsch-französische Kulturarbeit. 

Allerdings forderte die zeitgleich zum Umzug einsetzende Corona-Pandemie vom gesamten Team des Instituts besonderes Engagement und viel Improvisationstalent. Der Lehrbetrieb hatte nahezu drei Jahre lang mit stärksten Einschränkungen zu kämpfen. Ausstellungen, Exkursionen und Vorträge mussten ausfallen oder verschoben werden. Es gelang jedoch, einen großen Teil des Programms in Form von Online-Angeboten fortzuführen – Veranstaltungen dieses Typs sind seither ein fester Bestandteil des Sprach- und Kulturprogramms. 

Vertreten wird der Verein durch seinen Vorsitzenden, Prof. Dr. jur. Martin Dreschers, Rechtsanwalt und Professor an der Fachhochschule Aachen. Stellvertretender Vorsitzender ist Herr Botschafter a.D. Walter von den Driesch, als Schatzmeister fungiert Herr Rechtsanwalt Reinhard C. Runte, früherer Geschäftsführer der Compagnie de Saint-Gobain, Schriftführer ist Herr Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen. Beisitzerinnen sind Frau Dr. Margrethe Schmeer, Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Aachen, und Frau Prof. Dr. Vera Viehöver, Professorin für Germanistik an der Universität Lüttich. 

Der französische Botschafter in Deutschland, S.E. François Marie Delattre, und der Oberbürgermeister der Stadt Aachen, Herr Dr. Michael Ziemons, sind geborene Mitglieder des Vorstands. 

Der Verein zählt 116 persönliche Mitglieder, darüber hinaus die Industrie- und Handelskammer Aachen, die Compagnie de Saint-Gobain, die Sparkasse Aachen, die RWTH Aachen und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens sowie die Deutsch-Französische Gesellschaft Würselen und der Städtepartnerschaftsverein Herzogenrath-Plérin.

Die Geschäftsführung hat seit 2005 die Literatur- und Sprachwissenschaftlerin Dr. phil. Angelika Ivens inne, die 2015 auch zur Honorarkonsulin der französischen Republik ernannt wurde. 

Sie zeichnet verantwortlich für das kontinuierlich erweiterte und variierte Programm. Dabei wird sie unterstützt durch ein engagiertes deutsch-französisches Team: Virginie Crossouard: Sprachkurse und Prüfungen, Yasemin Sezgin: Kulturmanagement und Kommunikation, Andrea Offermann-Heibrok: Controlling und Buchhaltung, Alix Schwoll-Gissinger: Buchhaltung und Verwaltung. Ferner ermöglicht das Institut jährlich zwei Freiwilligen aus Frankreich sowie 15 bis 20 deutschen, französischen oder frankophonen Praktikanten und Praktikantinnen, erste Berufserfahrungen in der Kulturarbeit zu sammeln. 

Die Sprachkurse werden erteilt von 15 muttersprachlichen Dozentinnen und Dozenten aus Frankreich, Belgien, Deutschland und Marokko.